Welcome to the club(house)?

Clubhouse, Twitter Spaces, Instagram Broadcasts - Live ist hot! 

Trend versus Hype - eine Einschätzung aus Agentursicht am Beispiel Clubhouse.

Anfang Februar 21 lag die Bekanntheit der App Clubhouse in Deutschland bei knapp 1%. Würde man sich nur diese Zahl anschauen, könnte man diesen Beitrag hier direkt beenden.

Daher haben wir ein paar weitere Fakten zusammengestellt, die euch helfen sollen, den Hype und die Zukunftsperspektiven von Clubhouse besser zu verstehen. 

Ganz klar, uns interessiert in erster Linie, ob sich Clubhouse als weiterer Kanal im Marketing-Mix eignet. Die Antwort darauf wird aktuell niemand geben können, denn sie hängt wesentlich davon ab, wie sich die Trend-App weiterentwickelt. Wir betrachten im Folgenden die aktuelle Entwicklung in Deutschland. 

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Faktor 1 // Reichweite & Messbarkeit

In der vergangen Woche war Clubhouse im AppStore auf Platz 3 der Download-Charts, Tendenz steigend. Dass man aktuell nur per Invite und auch nur als iPhone-User Zutritt bekommt, scheint die Nachfrage eher zu steigern als zu hemmen. Auf Ebay wurden zeitweise Invites für 250 Euro versteigert.

Ende 2020 lag der Marktanteil von iOS im Vergleich zu Android als Betriebssystem in Deutschland bei 25 zu 75%, man kann sich also vorstellen, wie schnell ein weiteres Wachstum der App gehen kann, wenn sie – wie geplant – in Kürze auch für Android-Handys verfügbar ist. 

„Gefühlt“ sind aktuell vornehmlich die Marketing- und Sales-Accounts in der Clubhouse-Blase aktiv. Innerhalb von wenigen Wochen hat sich die Elite der deutschen Start-up-Szene gemeinsam mit den großen Köpfen aus Agenturen und Unternehmen in hunderten von Clubhouse-Meetings versammelt und dort mehr im großen als im kleinen Kreis vor allem über eben diesen Hype gesprochen.

Was dabei in Bezug auf Reichweite nicht vergessen werden darf: Diese, wie auch alle anderen Messwerte sind nicht nachhaltig, denn sie enden aktuell mit dem jeweiligen Clubhouse-Talk.

Überhaupt sind Zahlen und Messwerte aktuell eher unterrepräsentiert – ein Dashboard oder gar eine Anbindung an bestehende Datentools gibt es nicht. 

Faktor 2 // Attraktivität

Was genau an Clubhouse fasziniert, ist die Einfachheit, mit der jeder Teil des Live-Talks werden kann. Der Trend von Podcasts ist ungebrochen, durch alle Altersschichten wird Zuhören wieder zur Tugend und zum geschätzten Zeitvertreib. Daran knüpft Clubhouse an und wird zur leider nicht ganz barrierefreien Talkbühne. 

Dass man nun mit einem Klick mit Philipp Westermeyer, Frank Thelen oder auch Politikern ins direkte Gespräch kommen kann, macht Clubhouse besonders.
Hier liegt jedoch auch die Limitierung, denn zwar kann jeder einen eigenen Clubhouse-Raum eröffnen, aber nur wer es schafft, ein „Zugpferd“ und vor allem seine Kompetenz in den Talk einzubringen, wird mit hohen Teilnehmerzahlen belohnt.

Planbar ist somit nur der Rahmen der Veranstaltung. Sind die Inhalte oder Speaker nicht wertschöpfend, ist das Publikum schnell wieder weg, denn die Konkurrenz in den Themenbereichen ist immens. 

Entwickler haben die App längst für sich entdeckt. Es gibt 2 Monate nach Beginn des Hypes bereits erste Apps zur Verschönerung des eigenen Profilbilds, ganz wie man es von den Social Media Apps kennt.

Da Facebook laut Presse an einer eigenen Clubhouse-Funktion arbeitet, dürfte vieles dafür sprechen, dass zumindest dem Audio-Only-Prinzip eine größere Zukunft bevorsteht.
Twitter hat mit “Spaces” bereits reagiert und – diesmal mit der Barriere Android – eine Appfunktion für Live-Talks gelauncht. 

clubhouse blog wdd
Faktor 3 // Zielgruppen & Themen

Von A(rts) bis (Gen)Z sind die Clubs in bisher 14 Unterkategorien verteilt, die Hauptsprache und Themenschwerpunkte drehen sich um das Mutterland USA. Die deutsche Community, für die sich bereits jetzt 6,4% der 18 – 59-Jährigen eine Nutzung vorstellen können, wächst täglich an. Neben den Stars und Influencern aus der Medienbranche und diversen Start-ups haben auch Journalisten und Politiker den Kanal im Blick.

In einer ersten Umfrage in der Agentur sind die Kolleg*innen noch uneins, ob Clubhouse für sie selbst nützlich ist. Der Networking-Faktor ist groß, die Barrieren sind niedrig. Mit echter Expertise und im richtigen Clubraum macht ein Austausch Spaß und bringt so auch im eigenen Fachbereich weiter. Immerhin eine bisher kostenfreie und spontane Möglichkeit, Wissen zu teilen.

Für Marketingzwecke eignen sich Talks dann, wenn die angebotenen Leistungen relevant und authentisch sind. Reine Werbeveranstaltungen werden zum Glück schnell entlarvt und durch kurzes „leave quietly“ bestraft. Anders ist es streng genommen in den üblichen Social Channels auch nicht, wer nur heiße Luft liefert, ist raus.

Da es bisher außer einem „Follow“ des eigenen Accounts keine Möglichkeit gibt, neue Nutzer zu gewinnen und regelmäßig zu erreichen, ist Clubhouse in der aktuellen Form kein CRM-Tool. Wer aber echten Dialog mit seinen Followern betreiben kann, sollte einen Versuch starten. 

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Faktor 4 // Datenschutz & Barrierefreiheit

Ein typisch europäisches Thema und damit natürlich auch ein relevanter Punkt für die Bewertung von Clubhouse als Marketing-Plattform. Nutzer müssen mit der Registrierung ihr Adressbuch freigeben, ähnlich wie WhatsApp und Co. es verlangen. Entsprechend warnen Datenschützer vor der Nutzung der App. Mitschnitte von Gesprächen sind offiziell verboten, allerdings weist Clubhouse selbst darauf hin, dass für die Nachverfolgung von z.B. rassistischen oder anderen kriminellen Inhalten eine Beschwerde reicht, um eine Aufzeichnung zu legitimieren. Ergo ist davon auszugehen, dass die Live-Talks doch aufgezeichnet werden. 

Beschwerden gibt es auch zur Barrierefreiheit – gehörlose Nutzer haben keine Möglichkeit, die Inhalte in den Talks zu verfolgen. Von der Barriere des richtigen Endgeräts ganz zu schweigen.
Wenn Clubhouse in Europa Geld verdienen möchte, werden Anpassungen notwendig sein, die hoffentlich nicht auf Kosten der einfachen Bedienung gehen. 

Faktor 5 // Was Clubhouse (noch) fehlt - unsere TOP 5
  • Barrierefreiheit,
  • Messbarkeit,
  • Bewertungsmöglichkeit für Speaker & Clubrooms,
  • ein Mix aus Live- und On-Demand-Content
  • und natürlich ein WDD Clubroom.
    Wir lassen euch rein, versprochen! 

Habt ihr Fragen oder Anregungen zu Clubhouse?  🚀